oder: Wie wir geteert und gefedert wurden, ohne es zu merken
Manipulationstechniken sind vielfältig. Es gibt verschiedene Methoden, um den Leser eines Textes oder den Zuschauer einer Fernsehsendung in einer Weise zu manipulieren, dass dieser den Willen des Manipulierenden ausführt und seinen eigenen verwirft oder entsprechend verändert. Eine dieser Techniken wurde schon in dem Artikel Der manipulative Abholservice dargestellt und an einem Beispiel aus dem Fernsehen verdeutlicht.In diesem Artikel soll es nun weniger um eine direkte Manipulationsmethode gehen, als um eine solche, die dem Menschen anerzogen wird. Sie ist dafür verantwortlich, dass sich die Zustände in unserer Gesellschaft kaum verbessern können. Angestrebt ist, dass jede vom Individuum ausgehende Veränderung im Keim erstickt wird - gleich welcher Art sie auch sein mag.
"Der Mensch lernt nicht aus der Geschichte" ist eine häufig angetroffene Feststellung, die aber auch damit zusammenhängt, dass das Individuum seine natürlichen Pflichten nicht wahrnimmt. Warum es dies nicht tut, liegt unter anderem an der im Folgenden besprochenen psychologischen Problematik. Sie ist eine bedeutende Bremse jeglicher Entwicklung - wenn nicht gar die Wurzel unserer Probleme.
Ein Gleichnis zum Verständnis
Der Prozess, der ablaufen muss, damit eine Veränderung stattfinden kann, ist simpel. Zuerst einmal muss sich jemand über einen gewissen Missstand bewusst sein. Für unser Beispiel genügt die Banalität eines ungemähten Rasens im Vorgarten. Diesen Zustand gering schätzend, macht sich derjenige Gedanken darüber, wie der Optimalzustand aussehen würde. "Ein gemähter und gepflegter Rasen" ist das durch diese Überlegung entstandene Ideal. Nun werden die Mittel gesucht, mit welchen das Ideal realisierbar wäre. Die Bastelschere ist offensichtlich ungeeignet, die Sichel zu umständlich und der Rasenmäher erscheint als das Mittel der Wahl. Man hat einen Misstand erkannt, das Ziel ausgelotet und das Mittel gefunden, um das Ziel zu erreichen.
Nun beginnt man zu mähen. Kurz nachdem man begonnen hat sieht man, wie der Nachbar aus dem Fenster schaut, sichtlich über den Zustand seines eigenen Rasens verärgert ist und sein Kopf wieder im Haus verschwindet. Sofort öffnet sich an der Hauswand eine Klappe und ein vollautomatischer Rasenmäher fährt in den Vorgarten des Nachbarn. Mit mathematischer Genauigkeit zieht er seine Bahnen über den Rasen und ist mit der Arbeit schon fertig, bevor man sein Staunen überwinden konnte. Der Rasenmäher verschwindet wieder hinter der Klappe des Nachbarhauses und selbige schließt sich.
Dieses Schauspiel bewundernd und beneidend, begibt man sich zurück an die Arbeit. Doch der eigene Rasenmäher erscheint nun sehr schwerfällig. Er verfügt nicht einmal über einen eingebauten Unterstützungsmotor und lässt sich somit nur schwer und mühsam vorwärts schieben. Der Auffangbehälter ist sehr klein und muss regelmäßig entleert werden. Schon nach kurzer Zeit reißt der Keilriemen des Rasenmähers und derselbe gibt seine Tätigkeit auf.
Der Aufwand des Mähens erschien schon überaus groß, doch durch diesen herben Rückschlag entmutigt, schwindet die Motivation das zuvor gesteckte Ziel weiterhin anzustreben. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel hat durch das Schauspiel aus des Nachbars Garten eine Neubewertung erfahren.
Der einst gut geeignete Rasenmäher erscheint nun, im Vergleich zu dem Hightechgerät des Nachbarn, wie die Bastelschere in der vorhergehenden Ermittlung der zur Verfügung stehenden Mittel. Das Problem ist nur: Der automatische Rasenmäher des Nachbarn steht nicht zur Verfügung; er ist keine Option, das angestrebte Ziel zu verwirklichen. Der Rasen bleibt nun ungemäht.
Nach einiger Zeit beginnt der Rasen immer wüster auszusehen. Das Gras wächst weiter, Unkraut bahnt sich seinen Weg und ein Maulwurf hat sich augenscheinlich langfristig eingerichtet. Der Berg an Arbeit wächst stetig, die Funktionalität des Rasenmähers leidet zunehmend unter der vernachlässigten Pflege desselben und das Ziel wird immer schwerer mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erreichbar. Das alles, während das Gerät des Nachbarn in regelmäßigen Abständen und mit Leichtigkeit seine Bahnen vollführt und den Rasen in einen perfekten Zustand versetzt.
Das Prinzip
Das Prinzip des Vorfalls ist schnell extrahiert. Das gewählte Ziel wurde mit den zur Verfügung stehenden Mitteln angestrebt, doch nach kurzer Zeit änderte sich der Bewertungsmaßstab der Effektivität der eigenen Mittel, da neu entdeckte Möglichkeiten der Bewältigung eines Problems den eigenen Aufwand in eine neue Relation setzten. Die Aufgabe erscheint daraufhin schwerer zu bewältigen als vorher und das Resultat ist, dass die Arbeit gar nicht ausgeführt wird. Denn mit den schlechteren Ergebnissen und dem höheren Aufwand möchte man sich nicht mehr zufrieden geben; jetzt, wo man weiß, wie einfach alles ginge, wenn man... .
Die Auflösung
Wenige Dinge werden derart einstimmig von den Menschen betrachtet, wie der Zustand der Welt. Einige sind für gewisse Zeit von den persönlichen Zuständen derart geblendet, dass sie das unermessliche Leid, das diesen Planeten auf einer täglichen Basis quält, vergessen. Andere haben keine Wahl als die miserablen Zustände anzuerkennen, da sie auf die eine oder andere Weise ständig damit konfrontiert werden. Doch wird jeder zwischendurch daran erinnert, dass die sozialen, politischen, gesundheitlichen, ökologischen (...) und spirituellen Missstände Ausmaße angenommen haben, bei denen man von Glück sprechen kann, wenn man persönlich nicht betroffen ist.
Das Resultat, das wir beobachten können ist eine Ellenbogengesellschaft, in welcher jeder nur auf das eigene Wohl bedacht, den Weg geht, der ihm am meisten Geld, Macht oder Befriedigung verspricht - und sei es zum Nachteil der anderen: "Die müssen halt für sich selbst sorgen, ich bin nur für mich verantwortlich!"
Doch neben dieser egoistischen Einstellung schlummert auch in vielen Menschen der Wille, die Welt etwas besser zu machen, als man sie vorgefunden hat. Wäre dies nicht der Fall, könnten Betrüger nicht mit dem Mitleid anderer Geld verdienen ('Autobahngold', Bittbriefe aus dem Ausland nach finanzieller Hilfe o.ä.). Und spricht man einen Menschen darauf an, was er sich für die Welt wünscht, dann sind die vorgetragenen Wünsche seltenst negativer Natur.
Wie wir 'geteert' wurden
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→ Orientierungsrelation |
Doch was hindert uns daran unsere egoistische Haltung aufzugeben und selbst die Veränderung zu sein, welche die Welt ein Stückchen besser machen kann? Paradoxerweise ist es unsere alterozentrische Fixierung. Wie zähflüssiger Teer kleben wir, als Bestandteile der Gesellschaft, am Anderen und rechtfertigen unser Tun über das Tun dieses anderen, welcher der 'Rest der Gesellschaft' ist. So wie die Moleküle des Teers aneinander haften und den Teer als Gesamtmasse zu einer zähflüssigen Substanz machen.
Warum wir nicht aufhören Fleisch zu essen? Im Endeffekt auch, "weil das ja nicht verhindert, dass 'der Andere' weiterhin Fleisch isst! Das Tier wird trotzdem geschlachtet!"
Warum wir, trotz der mittlerweile weithin akzeptierten Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung nicht auf unser Handy verzichten? "Jeder hat ein Handy! Wenn ich meins abschaffen würde, würde das rein gar nichts ändern!"
Warum wir nicht aufhören uns durch Lügen und Egoismus anderen gegenüber in den Vorteil zu setzen? "Weil der Andere das genauso macht! Warum sollte ich es ihm also nicht gleich tun? Er würde mich genauso behandeln!"
Durch diese selbstverwirklichenden Rechtfertigungsargumente begründen wir, warum wir persönlich nicht für die Veränderung der Welt verantwortlich sind. Und das tun wir im Kollektiv! 'Der Andere' bringt genau dieselben Gründe für sein Handeln vor, wie man selbst, wenn man sich auf 'den Anderen' bezieht. Es ist ein irrationaler Rechtfertigungszirkel, welcher das eigene Handeln unter keinen Umständen begründen darf und kann.
Doch wird er zur Rechtfertigung heutzutage auf breiter Basis herangezogen. Umso sensibler das Thema, desto häufiger eben jener Einwand, warum eine Veränderung des eigenen Handelns keinen Effekt hätte. Doch spielt noch ein anderer Faktor hinein, als nur die Rechtfertigung über andere, welche die Motivation zum Handeln untergräbt. Es ist der falsche Anspruch an die Effekte der eigenen Handlungen.
Wie wir 'gefedert' wurden
Statt seinen Rasenmäher (Willen) zu reparieren (trainieren) und den Rasen (die Missstände...) Stück für Stück (...der Welt im persönlichen Umfeld...) zu mähen (...zu verbessern), gibt man jegliche Bestrebungen dahingehend auf und schaut auf des Nachbarns Garten, wo all dies im Handumdrehen regelmäßig von Statten geht.
Doch haben wir diese letzte Position des Gleichnisses noch nicht aufgelöst. Der Nachbar ist der Platzhalter für die Helden unserer Zeit. Er ist der übermenschliche Superman und der sich zwischen den Wolkenkratzen entlang schwingende Spiderman. Er ist der technologisch aufgewertete Iron Man und der mental begabte Silver Surfer. Er ist der Platzhalter für alle Serienhelden und Hollywoodstars, die uns teils wöchentlich präsentieren, mit welcher Leichtigkeit sie mit den Problemen dieser Welt umgehen. Dazu setzen wir unsere Fähigkeiten in Relation und erkennen, dass sie den beobachteten weit hintenanstehen. Jeder kennt solche Wünsche aus seiner eigenen Kindheit oder infantilen Momenten des Alltags:
"Wenn ich jetzt zaubern könnte, würde ich... den Stau auflösen, das Essen herbeizaubern, dem Bettler helfen! Wenn ich jetzt die Macht hätte, würde ich die Unruhen in Afrika beenden! Wenn ich Macht hätte, würde ich den nächsten ungerechten Übergriff auf ein Kind verhindern! Wenn ich Macht hätte,...."
Wir vergessen, dass wir Macht haben! Wir haben alle Macht, die ein Individuum haben sollte! Wir haben die Macht über unser eigenes Verhalten. Wir benötigen keine Verfügungsgewalt über das Leben anderer, müssen nicht die Entscheidungen anderer manipulieren können, um eine Veränderung zu bewirken. Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen! Wir müssen dort ansetzen, wo wir etwas verändern können! Vor allem, weil es so zentral ist, in unserem eigenen Konsumverhalten
Sei die Veränderung, die du dir in der Welt wünschst
Dass man selbst die Veränderung sein soll, ist auch eine Botschaft Gandhis gewesen. Sie geht auf die grundlegende Erkenntnis zurück, dass eine Veränderung im Außen nur möglich ist, wenn sie im Inneren bereits stattgefunden hat. Und hinzu kommt, dass sich das Außen notgedrungenermaßen sofort verändert, wenn wir uns selbst verändern! Denn wir sind ein Teil des 'Außen' eines anderen.
Nur wenn wir den Anfang machen, können andere folgen. Würde sich ein Dominostein in einer Kette weigern zu fallen, können alle dahinter aufgestellten auch nicht umfallen! Doch der Schwelbrand einer individuellen Verbesserung wird von den Menschen im Keim erstickt, weil der kollektive Flächenbrand in der Zukunft liegt! Wir sehen keine Veränderung und leiten daraus die Berechtigung ab, kein Teil dieser Veränderung zu sein!
Und kommt dann einer daher, der eine Veränderung initiieren will, dann wird ihm die vermeintliche Sinnlosigkeit seines Vorhabens vor Augen geführt:
"Wie willst du alleine denn an dem von dir angeführten Missstand etwas ändern? Das schaffst du nicht, dafür bist du nicht mächtig genug!"
Die Macht, die diesem Einen auch zusteht, über die verfügt derjenige sehr wohl! Doch wird ihm das Potential der Initiierung einer größeren Veränderung abgesprochen und damit zugleich genommen. Denn die Entscheidung zur "Selbstentzündung" würde eine Kettenreaktion nach sich ziehen, wenn das angestrebte Ziel auch allgemein als erstrebenswert angesehen wird. Aber selbst solche allgemein als erstrebenswert angesehenen Ziele werden, aufgrund der dargestellten psychologischen Problematik, nicht umgesetzt.
Wir behindern unsere Entwicklung und die Verbesserung der Zustände, in denen wir leben, indem wir begründen, warum diese Veränderungen nicht möglich sind. In wenigen Fällen ist das Hindernis einer falschen, persönlichen Einstellung offensichtlicher als hier. Würden wir die Veränderung für möglich halten, würde sie stattfinden. Würden wir sie für möglich halten, wären wir selbst die Veränderung! Würden wir verstehen, was die Veränderung verhindert - wir würden erkennen, dass wir selbst das Problem sind, das wir vorgeben nicht lösen zu können!
Wir haben nicht die Macht mit dem Finger zu schnipsen und die großen Probleme zu lösen. Aus dieser Erkenntnis heraus versuchen einige Macht über andere zu erlangen, damit sie nennenswerte Veränderungen erzwingen können. Doch ist dies der von Grund auf falsche Weg. Wenn wir anstreben, Macht über den freien Willen anderer auszuüben, versündigen wir uns erneut an positiven Werten und verkaufen damit unsere anfänglichen Ideale. Wir müssen verstehen, dass positive Veränderungen nur durch positive Schritte erreicht werden können. Das Ziel rechtfertigt nicht die Mittel, genauso wenig wie 'der Andere' dafür geeignet ist, die eigene Untätigkeit zu rechtfertigen.
Wenn wir es schaffen, uns selbst zu verändern, haben wir unsere primäre Pflicht erfüllt. Die Arbeit an uns selbst ist teils beschwerlich, doch ist sie die einzige, die uns zusteht. Und sie ist die einzige, die ohne Zwang und Gewalt durchführbar ist. Wenn wir es schaffen uns selbst zu verändern, dienen wir gleichzeitig als Vorbild für andere und haben den Keim dafür gelegt, dass dieser 'Andere' eine Veränderung erkennt, welcher er sich anschließen kann. Hier muss die Vernunft über die Gemütlichkeit siegen und das Unbequeme in Angriff genommen werden. Es ist der einzige Weg, den wir gehen können, wenn wir positives anstreben.
Nun ist es an dir
Mögest du dort beginnen, wo du selbst das Problem siehst. Ob das Falschheit und Lüge, Egoismus und Gier, Hass und Böswilligkeit oder eine andere grundlegende Charaktereigenschaft oder Einstellung ist, die du für die Probleme in der Welt verantwortlich zeichnen siehst. Tilge diese bei dir selber aus - Dann hast du alles erreicht, wofür du direkt verantwortlich bist und ermöglichst anderen, es dir gleich zu tun.
Dann bist du Teil der Veränderung, die diese Welt benötigt.
Dann bist du Teil der Veränderung, die diese Welt benötigt.




Heute möchte ich zwei Artikel des Blogs ImNaDeWa verlinken, die ich sehr gut finde und die den Kern des Dilemmas treffen. Ich kann nicht oft genug betonen, daß es die Massenmedien sind, die das System am Laufen halten und die für alles verantwortwortlich sind, was an Schweinerein geschieht. Sie sind es, die uns die Wahrheit vorenthalten, sie sind es, die uns mit Lügen bombardieren, sie sind es, die unsere Kinder verderben, sie sind es, die unsere Hirne vergiften. Sie sind die schlimmsten Massenvernichtungswaffen, die es je gab. Sie sind allgegenwärtig, sie wecken uns am Morgen, sie besudeln uns den ganzen Tag, in der Arbeit, im Auto, in der U-Bahn, und sie wiegen uns in den Schlaf. Der normale Medienkonsument ist sich in keinster Weise des Ausmaßes der Desinformation und Verdummung bewußt, der er sich Tag für Tag aussetzt.
AntwortenLöschenDie Massenmedien sind nicht an allem Schuld, aber sie begünstigen fast alles, was in der Welt schief läuft. Dass wir auf die Massenmedien rein fallen, das ist zum großen Teil auch unsere eigene Schuld.
AntwortenLöschenEs gibt einige, die sich emanzipieren konnten bis zu einem gewissen Grad. Warum andere das nicht schaffen? Teils einfach aus Gemütlichkeit!