30.03.2011

RFID ist auf dem Vormarsch

Sparkasse integriert RFID-Funkchip in ihre Karten
Zum bargeldlosen Bezahlen werden im zweiten Halbjahr des Jahres 2011 RFID-Chips in die EC-Karten der Sparkassenkunden integriert. Mithilfe dieser Technik kann der Kunde dann bei Beträgen unter 20€ schnell und komfortabel an der Supermarktkasse zahlen, indem er die Karte einfach vor ein entsprechendes Lesegerät hält. Unterschrift und Pineingabe entfallen bei dem neuen Verfahren.

Doch nicht nur für den Kunden hat die neue Technik Vorteile. Die Umsätze der Einzelhändler konnten in Pilotversuchen, in welchen die Technik Verwendung fand, um 50 bis 80 Prozent gesteigert werden. Einige große Handelsunternehmen sind an der Technik anscheinend interessiert. Genaueres ist diesbezüglich aber noch nicht bekannt geworden.

Eine Sprecherin der Sparkasse antwortete, nach den Gefahren der Technik gefragt, dass diese sicher sei. Die Daten würden verschlüsselt übermittelt und die dabei angewendete Verschlüsselungstechnik entspräche der bei Kartenzahlungen bereits bekannten. Das unbefugte Auslesen wird sogar als unmöglich bezeichnet. Die Karte darf, um vom Lesegerät erkannt zu werden, nicht mehr als zwei bis drei Zentimeter von diesem entfernt sein. Dadurch sollen Fehler bei der Verrechnung vermieden werden. (Quelle)


Erwartete, aber auch erschreckende Entwicklung
In den Artikeln, die ich dazu finden konnte, war nirgendwo die Rede von RFID-Chips. Es wurde immer die Bezeichnung Funkchip verwendet. Liegt das vielleicht auch daran, dass RFID mittlerweile schon mehr negative Aufmerksamkeit erlangt hat, als denjenigen lieb sein kann, die einen flächendeckenden Einsatz anstreben?

Überraschend sind die Neuigkeiten jedenfalls nicht. Schon seit langem wird die Bevölkerung, gerade in Amerika, darauf vorbereitet, welch „goldene Zeiten“ auf uns zukommen, wenn diese Technik erstmal überall eingeführt wurde. Nicht nur, dass der Future Store der Metro Group schon seit langem das futuristische Image der Technik zu prägen versucht, auch IBM gibt sich sichtlich Mühe, die Technik bei jung und alt beliebt zu machen. So beispielsweise in der folgenden Werbung:


Auch im Gesundheitswesen verspricht dieser Chip, glaubt man den Herstellern, eine Revolution. Hat man sich den reiskorngroßen Chip erst einmal unter die Haut implantieren lassen, hat man seine Krankenakte immer dabei! Begeisterungsschübe bleiben bei mir dabei allerdings aus. Nutz- und Haustiere werden schon seit langen mit genau der Technik „versehen“. Warum sollte ich mir also eine Seriennummer, die vom Staat vergeben wurde, von den Handlangern multinationaler Konzerne unter die Haut spritzen lassen? Das klingt für mich zu sehr nach Orwell und Apokalypse. Hier noch die Werbung für den Veri-Chip im Gesundheitswesen:



Die Sicherheit der Technik ist eine Lüge
Bleibt nun noch, dass die Verantwortlichen der Sparkasse, die den Chip als sicher bezeichnen, der Lüge berführt werden. Immerhin ist die Technik auch für versierte Computerspezialisten nichts neues. So setzt sich beispielsweise der Verein FoeBud mit den Risiken dieser Technik auseinander. Aber auch die Computerwoche berichtete schon im Jahr 2008, dass die Verschlüsselungstechnik der Mifare Chips bereits gehackt werden konnte. Die Unmöglichkeit eines unberechtigten Auslesens ist also, wie so oft, nur eine Marketinglüge. Es ist immer eine Frage der Zeit, bis ein Code geknackt wird. Wen kann man mit solchen Versicherungen eigentlich noch aufs Kreuz legen?

Die Aussage, dass an der Kasse, aufgrund der definierten Distanz von 2-3 Zentimetern, keine falschen Abbuchungen stattfinden können, mag stimmen. Doch muss man nur am Ein- und Ausgang, was sicherlich geschehen wird, entsprechende Lesegeräte mit größerer Reichweite aufstellen, damit die Karten ihre Informationen doch preisgeben. Auch das ist keine Zukunftsmusik. Es gibt längst mit Videoüberwachung gekoppelte RFID-Lesegeräte, die dann ermitteln, wie lange ein identifizierter Kunde vor einem bestimmten Schaufenster steht. Daraus lassen sich natürlich eine Menge Informationen dazu ableiten, zu welcher Marketingzielgruppe er gehört.

Auf der Internetseite des FoeBud kann man auch Schutzhüllen bestellen, die das Auslesen schon vorhandener Karten mit RFID-Chip verhindern sollen. Die Technik ist nämlich alles andere als eine Rarität in unserem Alltag. Ein Chip befindet sich im Reisepass, genauso, wie im neuen Personalausweis. Auch Eintrittskarten, Produkte des Einzelhandels, die Bahncard 50 und andere Fahrkarten, Textilien und Möbel haben schon, teilweise versteckte, RFID-Chips integriert. Über den Einsatz in Geldscheinen wird nachgedacht.

Es wird ersichtlich, dass diese Chips so billig sind, dass man sie tatsächlich in alle möglichen Gegenstände integrieren kann. Dadurch ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten der Überwachung und der automatischen Erstellung von Bewegungsprofilen. Weiß ein Kunde nicht, dass seine neuen Straßenschuhe einen RFID-Chip enthalten (Kennzeichnungspflicht besteht nicht), dann registriert jedes in der Stadt aufgestellte Lesegerät, dass der Chip mit der ausgelesenen Nummer, mitsamt Mensch versteht sich, in der Nähe ist.

Kauft man Kleidung bei C&A hat man meist schon einen erkennbaren RFID Chip als Diebstahlschutz im Textil eingenäht. Dieser kann entfernt werden. Problem bei dieser Form des Diebstahlschutzes ist aber auch, dass es kein anonymer ist: Das bedeutet, dass jedem Textil durch den Chip eine individuelle Registrierungsnummer zugewiesen wurde. Diese übernimmt der Besitzer des Gegenstandes selbstverständlich, wenn er den Chip nicht entfernt, oder aufgrund dessen Unsichtbarkeit, nicht entfernen kann.

Die Chips sind auch nicht immer flach und breit. Es gibt sie auch in Größen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Spätestens jetzt sollten jedem die Augen aufgehen, welches Potential in diesen Chips steckt. Und damit meine ich nicht solches Potential, das dem Bürger dient.

Im Folgenden noch der erste Teil eines äußerst sehenswerten Vortrags auf Englisch, der die Problematik des Chips diskutiert.









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